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  • 2017

  • Ehrhardt, Claus (2017): Tatsuhiko Yoshida. 2016. Höflichkeit als Ressource zur interkulturellen Kommunikation. Theorie und Praxis zur gesprächsanalytischen Höflichkeitsforschung. München. Iudicium. 289 S. In: Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Sprachwissenschaft 9 (1-2), S. 72-77. DOI: 10.1515/zrs-2017-0012

    Abstract: Die vorliegende Monografie präsentiert sich als Beitrag zur Erforschung von sprachlicher Höflichkeit und schreibt sich damit in eine Tradition ein, die mit der wegweisenden Arbeit von Brown & Levinson (1987) beginnt. Seitdem sind zahlreiche Monografien, Sammelbände und Zeitschriftenaufsätze erschienen, die dazu beigetragen haben, dass das Forschungsgebiet, ausgehend von einer kritischen Würdigung der Pioniere, sich weiterentwickelt und differenziert hat. In den meisten Fällen wird dabei auf die Grundbegriffe der Pragmatik und der Soziolinguistik bzw. der Interaktionslinguistik rekurriert. In der Forschung hat sich weitgehend die Auffassung durchgesetzt, dass Höflichkeit im Rahmen von sprachwissenschaftlichen Ansätzen von der Etikette unterschieden werden muss und dass die Höflichkeit einer Äußerung nicht in einem direkten Abhängigkeitsverhältnis zu den verwendeten Wörtern oder Konstruktionen steht. Höflichkeit wird von vielen Forschern als Teil der sozialen Praxis und als Gegenstand von interaktionalen Aushandlungsprozessen verstanden: Sprecher und Hörer beurteilen im Gespräch wechselseitig ihre Verhalten unter dem Gesichtspunkt der Höflichkeit und passen sowohl ihre eigenen Beiträge als auch die Höflichkeitsurteile an ihr Verständnis des Gesprächsverlaufs an. Höflichkeit wird also ko-konstruiert und kann nicht als a priori gegebener und in der Sprachgemeinschaft allgemein geteilter Verhaltensmaßstab angesehen werden. Die Prozesse des Aushandelns lassen sich natürlich am besten an authentischen Gesprächsdaten untersuchen. Aus diesem Grund ist die Auseinandersetzung mit der real existierenden Kommunikation zu einem immer wieder angemahnten Bestandteil der Diskussion geworden. Neuere Arbeiten (etwa Watts 2003 oder Kádár & Haugh 2013) enthalten denn auch regelmäßig Auszüge aus transkribierten Gesprächen und diskutieren diese im Hinblick auf die Höflichkeitstheorie. Bisher wurde aber von Seiten der Höflichkeitsforschung kaum an die Arbeit der Gesprächsanalyse angeknüpft – eine Tradition, die im Umgang mit Daten geschult und empirisch versiert ist. Tatsuhiko Yoshida nimmt sich für sein Buch genau das vor und stößt damit in eine Forschungslücke. Schon im Untertitel wird deutlich, dass es dem Autor darum geht, die Höflichkeitsforschung mit der gesprächsanalytischen Praxis zu verbinden. Davon sind zweifellos interessante Einsichten über die Natur und den Stellenwert von Höflichkeit zu erwarten.

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